Geistlicher Impuls zum 05.03.2021

Entscheidungssituationen bilden einen Teil unseres Lebens. Davon ist weder der Einzelne noch eine Gruppe von mehreren, die das Leben miteinander teilen, ausgenommen. Wenn wir Entscheidungen nicht einfach nur dem Zufall oder der Willkür überlassen, bedarf es der Rückfrage nach angemessenen Kriterien zur Entscheidungsfindung. Damit ist eine Gewissenserforschung darüber angezeigt, wie wir zu unseren Entscheidungen kommen, wie wir sie treffen. Benedikt setzt in diesem Zusammenhang auf den Rat der Brüder. Rat und Beratung werden in der Gegenwart groß geschrieben. Es gibt eine Menge von Gremien, die mit dieser Funktion von Amts wegen betraut sind. Desgleichen fehlt es nicht an Institutionen und Spezialisten, die in allen möglichen Situationen ihre beratenden Dienste anbieten. Diese anscheinende Hochkonjunktur des Ratsuchens und Ratgebens darf uns die besonderen Umstände, unter denen das gewöhnlich geschieht, nicht übersehen lassen. Der Rat spielt einmal dort eine Rolle, wo sein Einholen und Erteilen strukturell vorgesehen und verlangt ist. Zum anderen wird er nicht selten als Nothelfer herangezogen, wo sich kein Ausweg mehr zeigt, während man ihn sonst als Angriff auf die eigene Selbständigkeit und Mündigkeit betrachtet. Benedikt sieht den guten Rat viel grundsätzlicher und schätzt ihn als eine zwischenmenschliche Gabe. Er scheut sich nicht, ihn in allen wichtigen Angelegenheiten einzusetzen. Hier geht es nicht um Stärke oder Schwäche, sondern um gemeinsames Suchen und Fragen, Nehmen und Geben. Das ist eine andere Melodie des Lebens, in der man sich nicht gegeneinander abgrenzt.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien