Geistlicher Impuls zum 09.12.2019

Es ist unwahrscheinlich viel, was tagaus tagein auf uns einströmt und von uns ausgeht. Es ist schier unmöglich, die Gedanken und Bilder, Informationen und Worte, Eindrücke und Empfindungen zu zählen, die jeden Tag die Schwelle unserer Sinne und unseres Inneren passieren. Einen kleinen Fortschritt würde es bedeuten, wenn wir ab und zu innehalten würden und kurze Wegstrecken unseres Außen- und Innenlebens zu rekonstruieren versuchten. Auf diese Weise könnte uns wenigstens ein klein wenig bewusst werden, welchen Umschlageplatz unsere Seele, unser Geist oder unser Herz darstellt. Nur einen kleinen Ausschnitt all dieser Einflüsse können wir verarbeiten, bewusst wahrnehmen und registrieren. Das bedeutet durchaus nicht, dass alles andere uns unberührt und unbetroffen lassen würde. Im Gegenteil, wir sind viel weniger Herren unserer selbst, als wir oft glauben und uns lieb ist. Nichts von dem, was von außen an uns herangetragen wird, ist gleichgültig. Nicht alles, was auf diesem Weg zu uns kommt, ist gleich gültig. Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie sehr uns bestimmte Erlebnisse, Ereignisse, Bilder und Nachrichten irritieren, erregen, beunruhigen und bedrücken können. Was vom gewöhnlichen Informationsfluss gilt, das gilt erst recht, wenn es sich um destruktives Verhalten und negative Inhalte handelt. Innere Gesundheit und geistliche Schadensbegrenzung machen Wachsamkeit, Unterscheidungsvermögen und Schweigsamkeit zur Pflicht. Eine Therapie des Herzens kann nur so Erfolg haben, die Hygiene des Herzens kann nur so von Bestand sein. Nicht nur der Mönch, sondern jeder Mensch bedarf einer unsichtbaren persönlichen „Klausur\", welcher der Schutz des inneren Friedens, der Sammlung und der Zufriedenheit obliegt.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien