Geistlicher Impuls zum 04.03.2024

Wir kennen das Gefühl der Überforderung, des Zukurzkommens, des Auf-der-Strecke-Bleibens. Es stellt sich dort ein, wo uns Aufgaben, Ansprüche und Anforderungen über den Kopf wachsen und die Zuständigkeit für andere die Sorge um uns selber nahezu total absorbiert. In solchen Situationen meldet sich die bedrängende Frage: Wo bin in all dem ich? Wo bleibe ich? Die Angst, verloren zu gehen, ist mehr als begreiflich. Wir kennen die Ratschläge und Empfehlungen, die einem Außenstehende in solchen Fällen geben: Du musst mehr auf dich schauen; du hast ein Recht auf deine Freizeit und deine Gesundheit; du musst für dich selber sorgen oder in erster Linie an dich denken; du darfst dich nicht verstecken oder in allem nachgeben usw. Wir wissen aber auch um die äußeren und inneren Grenzen, die uns hindern, aus unserer Rolle auszusteigen oder unsere Haut gegen eine andere zu vertauschen. Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma, der nicht auf die Lösung eines zuweilen die Situation doch zu sehr vereinfachenden Entweder-oder hinausläuft? Benedikt deutet sie an. Wer selbstlos im Dienst und in der Verantwortung für andere und anderes aufgeht, der geht dabei nicht leer aus und bleibt davon nicht unberührt. Eher unbewusst und unbemerkt geht in ihm ein Änderungs- und Verwandlungsprozess vor sich, dessen Wirkung und Folgen ihm erst im Nachhinein aufgehen. Es kann sich einer nicht ernsthaft und glaubwürdig in einer Aufgabe engagieren, ohne selber davon betroffen zu werden. So betrachtet, kommen wir selber letzten Endes doch nicht zu kurz. Das gilt vor allem von der geistlichen Ebene unseres Lebens.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien