Geistlicher Impuls zum 06.02.2023

Benedikt ist ein Freund der kleinen Zeit-Wörter: noch, jetzt, heute, solange, jederzeit, sofort, sogleich, in einem Augenblick usw. Darin verrät er ein ausgesprochenes Gespür für den Stellenwert der Zeit. Trotz unserer noch so präzis funktionierenden Uhren erleben wir die Zeit höchst unterschiedlich. Zehn Minuten können für einen, der es eilig hat, unwahrscheinlich rasch verstreichen, während sie ein anderer, der nichts zu tun hat, als eine halbe Ewigkeit empfindet. Benedikt betrachtet und erlebt die Zeit gleichsam mit der Uhr Gottes in der Hand und im Herzen. Sie ist für ihn Gnaden- und Heilszeit, er möchte möglichst viel „Ewigkeit“ in die Gestalt dieser Zeit packen. Von daher ist er bestrebt, keine Sekunde ungenutzt oder unausgefüllt verstreichen zu lassen. Er geizt geradezu mit dem Kapital Zeit. Das fragt uns nach unserer Einstellung zur Zeit, nach unserem Umgang mit ihr. Zeit ist für uns immer Lebenszeit, unsere Lebenszeit. Die Besinnung darauf macht uns bewusst, dass unser Leben kein bloßer Zeitvertreib ist, sondern Zeit, die uns gewährt ist, um von uns gefüllt zu werden. Die Zeit hält uns sozusagen ihre leeren Hände hin, die darauf warten, dass wir sie füllen. Wir können sie mit nichts Besserem füllen als mit dem, was wir das Gute oder den Willen Gottes nennen. Die Zeit, die uns geschenkt ist und gehört, ist allein die Gegenwart. Wir erleben sie nur, wenn wir in ihr leben. Nichts lässt uns so sehr in der Gegenwart leben als der Blick auf Gott und auf die Ewigkeit.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien