Geistlicher Impuls zum 02.08.2021

An einem Sonderfall macht Benedikt auf eine Einstellung aufmerksam, der grundsätzliche Bedeutung zukommt und die das gemeinschaftliche Miteinander erheblich stört: die Nachlässigkeit. Diese Haltung kann sich sowohl auf Menschen wie auf Dinge, Aufgaben und Situationen beziehen. Vieles, was zu unserem Menschsein, zum Umgang miteinander und zu unserem Pflichtenkreis gehört, kann darunter leiden. Leben kann nur gelingen, wenn es unter einer gewissen Spannung steht. Es gleicht in mehrfacher Hinsicht einem gespannten Bogen. Der Nachlässige geht der äußeren wie der inneren Spannung und Anspannung aus dem Weg. Die Gründe dafür können viele sein: Willensschwäche, Interesselosigkeit, Hang zur Bequemlichkeit, Verachtung der anderen, mangelnde Widerstandskraft, chaotisches Innenleben usw. Es ist nicht leicht, all die Ausdrucks- und Erscheinungsformen von Nachlässigkeit auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Ihre Wurzel könnte eine bestimmte innere Gleichgültigkeit sein. Dieser ist im Grunde vieles gleich gültig und ungültig zugleich; sie will sich nicht entscheiden oder festlegen, um sich nicht engagieren zu müssen. Es kann auch sein, dass eigene Interessen den Bedürfnissen und Verpflichtungen anderen gegenüber vorgezogen werden. Nachlässigkeit ist nicht leicht in den Griff zu bekommen. Ihre Gründe und Erscheinungsweisen sind zu vielgestaltig. Ihre Negativität ist nicht immer auf Anhieb zu durchschauen. Der Umgang mit ihr verlangt ein hohes Maß an Beobachtung und Unterscheidungskunst der Geister. Das sollte uns ihr gegenüber wachsam und auf der Hut sein lassen. Ihre Gefährlichkeit ist nicht zu unterschätzen. „Nachlässigkeit richtet selbst vorzügliche Anlagen der Natur zugrunde, Belehrung aber verbessert eine schlechte Anlage\\\", meinte der antike Philosoph und Historiker Plutarch.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien