Geistlicher Impuls zum 18.05.2021

Streiten und streiten können sehr verschieden sein. Das Stichwort „Streitkultur\" macht darauf aufmerksam, dass es einen fairen und berechtigten Wettstreit gibt, der mit den Waffen der Vernunft und Überzeugung, mit Argumenten, Gründen und Beweisen ausgetragen wird, in dem es darum geht, dass Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit den Sieg davontragen. Solches Streiten leistet einen wesentlichen Beitrag zur Lösung von Konflikten und dient der Verständigung, dem Wohl aller und dem Frieden. In der Regel assoziieren wir das Wort „Streit\" mit anderen Vorstellungen und Erfahrungen. In diesem Fall zählen nicht die objektiven Gegebenheiten und das gemeinsame Interesse, sondern die Emotionen, Stimmungen, Verletzungen und subjektiven Anschauungen. Diese Art von Streit ist kein Weg, um Differenzen zu bereinigen. So richtig das sein mag, so lässt sich in der Praxis nicht jeder Streit vermeiden, da Spannungen und Gegensätze mit der Fülle und Verschiedenheit des Lebens verbunden sind. Was jedoch unerlässlich sein dürfte, sind bestimmte Spielregeln, die der Vermeidung oder Bereinigung von Streitigkeiten dienen. Eine erste dieser Regeln könnte lauten: Sachlichkeit. Wir müssen es lernen, das, was wir zu sagen oder vertreten haben, sachlich, nüchtern und geduldig zu präsentieren. Dazu kommt als Nächstes die Forderung der Wesentlichkeit. Es geht um die Verteilung der Gewichte zwischen Wichtigem und Unwichtigem. Nebensachen dürfen nicht zur Hauptsache werden. Das verlangt eine gewisse Unterscheidungskunst. Schließlich dürfen über all dem der Mensch und die ihm gemäße Menschlichkeit nicht außer Acht gelassen werden. Auch der Gegner oder Feind ist und bleibt Mensch. Als Mensch verdient er einfach unseren Respekt. Das bedeutet, dass wir unsere Unstimmigkeiten auf menschenwürdige Art auszuräumen versuchen. Streiten darf nicht heißen, jemanden zur Strecke zu bringen.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien