Geistlicher Impuls zum 19.04.2021

Benedikt spricht wiederholt vom Murren. Er bezeichnet damit ein geradezu berufsmäßiges Querulantentum, eine negative Haltung, die nahezu mit nichts zufrieden ist und alles schlecht machen muss. So ein Verhalten verrät ein gestörtes Verhältnis zur Umwelt, das abgesehen von einer kranken Psyche aus Minderwertigkeitsgefühlen oder aus der Angst, zu kurz zu kommen, stammen mag. Da man den eigenen Platz nicht zu akzeptieren vermag, wird und werden anderes und andere erbarmungslos kritisiert. Was offenbart sich in dieser Praxis des Murrens? Eigentlich ein Missbrauch des Wortes und der Sprache. Wort und Sprache dienen von Haus aus der Mitteilung, der Verständigung und dem Austausch von Mensch zu Mensch, sie sind Mittel, Wege und Werkzeuge der Liebe. Meister und Hüter des Wortes wie Dichter oder Schriftsteller leiden unter dessen missbräuchlichem Gebrauch. Unter diesem Aspekt wird das Murren zu einer tieferen Anfrage an uns und unsere Sprache. Was dabei auf dem Spiel steht, bringt ein Gedicht von Rainer Maria Rilke höchst einfühlsam zum Ausdruck: Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. Sie sprechen alles so deutlich aus: Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, Und hier ist Beginn, und das Ende ist dort. Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, Sie wissen alles, was wird und war; Kein Berg ist ihnen mehr wunderbar; Ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott. Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern! Die Dinge singen hör ich so gern. Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien