Geistlicher Impuls zum 19.01.2021

Der Text spricht von Aufbruch. Das Bild vom gegürteten Kleid, die Vorstellung vom Evangelium als Anführer signalisieren diesen Vorgang. Die Situation und Stimmung des Aufbruchs sind uns von entsprechenden Erfahrungen her vertraut. Spannung und Erwartung liegen in der Luft, Ungeduld und Abenteuerlust machen sich breit. Wer aufbricht, verabschiedet sich vom Alten und Bekannten, der muss einen Trennungsstrich ziehen, der immer auch Ende, Verzicht, Auszug und Abschied bedeutet. Er begibt sich auf einen Weg, dessen Verlauf und Ziel er höchstens aus den Schilderungen und Erfahrungen anderer kennt. Solange er unterwegs ist, ist er nirgendwo daheim. Gepäck und Ausrüstung sind den Bedingungen der Wanderschaft angepasst. Gleichzeitig aber winkt dem Aufbrechenden eine bisher nicht gekannte Freiheit, die Verheißung des Neuen, das Reich ungeahnter Erfahrungen. Was wiegt und zieht stärker: der Verlust oder der Gewinn? Über unserem Leben liegt Aufbruchstimmung. Es gleicht nicht einem gemächlich dahin fließenden Strom, sondern eher einer abwechslungsreichen Bergkette mit Höhen und Tiefen. Der Gott, auf den unser Leben hinführt, ist ein Gott des Aufbruchs. Nur im Zeichen des Aufbruchs kann man ihm begegnen. In unserem Leben gibt es immer wieder Zäsuren, die Ende und Aufbruch zugleich sein können. Für den Glaubenden liegt der Akzent auf Aufbruch. Diese Perspektive einzuüben, ist die Chance und Aufgabe der kleinen Aufbrüche, die uns Tag für Tag zugemutet werden.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien