Geistlicher Impuls zum 21.10.2020

Die Welt der Arbeit, der Wirtschaft und des Geldes bestimmt weithin das Gesicht unseres Lebens. Diese Welt hat ihre eigenen Gesetze. Hier wird exakt gerechnet, gemessen und gezählt. Was den Ausschlag gibt, das ist die Arbeit, die Leistung, das Resultat. Es ist nicht zu leugnen, dass eine solche Welt ihre typische Faszination besitzt; sie besticht durch ihre Ordnung und Klarheit, durch ihre Grundsätze und Regelungen, durch ihre Eindeutigkeit und Effizienz. Es liegt auf der Hand, dass ein System dieser Art abfärbt auf das Denken, Empfinden und Wollen, die Einstellung und Verhaltensweise eines Menschen. Man kann sich daran so sehr gewöhnen und darin so sehr einrichten, dass man nichts mehr daneben oder darüber hinaus wahrnimmt. In einem dermaßen geschlossenen Milieu sind Werte und Haltungen wie Menschlichkeit, Rücksicht oder Nachsicht, Mitleid oder Hilfsbereitschaft nahezu unbekannt. Das eherne Gesetz der Arbeit funktioniert nur so lange, als keine Störungen, Schwächen, Überraschungen oder Fehler auftreten. Wo das Reich der Arbeit regiert, dort ist „der Tod an der Seele“ nicht sehr weit. Gefahren, die den Menschen bedrohen, entspringen der Erfahrung und Überzeugung Benedikts zufolge nicht so sehr dem religiösen Sektor, sondern der Arbeit und der ihr eigenen Dynamik. Die Arbeit kann einen unwahrscheinlich in Beschlag nehmen und unter Scheinmotiven und Scheinbegründungen von vielem ablenken. Es kommt nicht nur darauf an, dass man arbeitet; es geht vielmehr darum, wie man arbeitet. Die Frage nach der Gesinnung, der Motivation, dem Stil und der Zielsetzung unserer Arbeit ist alles andere als nebensächlich.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien