Geistlicher Impuls zum 10.12.2018

Dieses Kapitel handelt von einem Extremfall des Gehorsams. Dieser macht deutlich, wie ein Mönch und sein Oberer je auf ihre Weise unter der Verpflichtung des Gehorsams stehen. Es ist nicht der Fall selber, der für den Außenstehenden interessant ist, sondern die Art, wie konkret damit verfahren wird. Da ist zunächst der Befehl und seine gelassen-gehorsame Annahme. Daran schließt sich die Erfahrung der Überforderung. Den dritten Schritt bildet das begründende und emotionsfreie Gespräch. Im Fall der Aufrechterhaltung des Befehls wird an die Glaubensüberzeugung des Bruders appelliert. Am Ende steht der Vollzug des Gehorsams, der sich auf die Hilfe Gottes, nicht auf die eigenen Kräfte und Möglichkeiten stützt... Die entscheidende Motivation dazu liefert allein die Liebe. In unser aller Leben kann es ähnliche Situationen geben. Wie gehen wir damit um, wie bestehen wir sie? Für viele von ihnen gibt es keine eindeutigen Rezepte. Die Lösung muss erst gesucht und gefunden werden. Eine dabei oft vernachlässigte Frage ist die, wie ich mich selber darin einbringe, wie es mir selber damit geht. Hier spielen nicht wenige Faktoren wie Stimmungen, Launen, Urteile und Vorurteile, Ängste oder Sehnsüchte unkontrolliert, aber deswegen nicht weniger mächtig mit. Ein mehr distanzierter Umgang mit solchen Herausforderungen erhält uns leichter im seelischen Gleichgewicht, lässt uns Machbares und Unvermeidbares zutreffender erkennen und unterscheiden, setzt unter Umständen Energien frei und deckt Wege auf, die wir sonst nicht sehen. Die Einfühlsamkeit, mit der Entscheidungen getätigt werden, spricht für sich und entschärft die Atmosphäre.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien