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eos Klosterverlag St. Ottilien

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Geistlicher Impuls zum 19.05.2013

„Wo Menschen sind, gibt es immer auch Unterschiede. Es ist zunächst heilsam, wenn wir uns bewusst machen, dass alle Unterschiede unter uns relativ sind, also keine absolute Aussage darstellen. Wir sind nicht gehalten, ihnen eine höhere Bedeutung zuzulegen, als ihnen von Haus aus zusteht.“

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Geistlicher Impuls zum 19.05.2013

»Das Ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.« (Benediktsregel, 4. Kapitel, 46)

Wenn schon, dann ist das Leben, nicht aber das ewige Leben für uns ein Thema. Leben, gut leben, das möchten wir alle, auch wenn die Vorstellungen darüber auseinander gehen. Der geheime Motor davon heißt Sehnsucht. Ihre Präsenz, Kraft und Wirkung werden leicht unterschätzt. Wie oft denken oder sagen wir: ich möchte, ich würde, ich hätte gern... Wir halten es nur sehr schwer bei uns selber aus. Immer wieder drängt es uns und werden wir gedrängt, uns selber zu überschreiten. Sobald wir an einem Ziel, Ort oder Zeitpunkt unserer Wünsche angelangt sind, brechen neue auf und schicken uns auf die Reise nach einem weiteren und noch größeren Glück. Und doch verläuft der Weg unserer Sehnsüchte alles andere als gerade. Gleicht unser Leben nicht einer ununterbrochenen Schule der Sehnsucht? Durch das Gestrüpp unserer Sehnsüchte hindurch stirbt die Sehnsucht selber nicht ab. Es hat den Anschein, dass noch so viele und große Enttäuschungen sie nicht zu vertreiben vermögen.

Und ist es nicht so, dass die Sehnsucht nicht nur in all unseren Sehnsüchten am Werk ist, sondern überall dort, wo wir mit etwas befasst sind, was uns gut, nützlich, heilsam, hilfreich, schön  wahr usw. zu sein scheint? Wo immer wir daran rühren, erwacht in uns sogleich das Verlangen nach mehr. Wir sind nicht Herren unserer Sehnsucht und unserer Sehnsüchte, sie sind es, die uns besitzen. Wissen wir ihre Sprache, ihre Zeichen, ihre Route zu deuten? Johann Amos Comenius gesteht: „Ich danke meinem Gott, dass er mich mein ganzes Leben hindurch einen Mann der Sehnsucht hat sein lassen.“ Und Rainer Maria Rilke dichtet: „Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge/Und keine Heimat haben in der Zeit.“

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts