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eos Klosterverlag St. Ottilien

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Geistlicher Impuls zum 22.05.2013

„Feindesliebe gilt als ein Erkennungszeichen des Christentums. Wir alle kennen Menschen, mit denen wir in einem unausgeräumten Konflikt oder sogar in einem tiefen Zerwürfnis leben. Ist angesichts dessen Feindesliebe überhaupt möglich? Oder ist sie ein Selbstbetrug, eine Selbstzerstörung?“

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Geistlicher Impuls zum 22.05.2013

»Danach wohne er (= der Bewerber) im Raum für die Novizen, wo sie lernen, essen und schlafen. Ein erfahrener Bruder werde für sie bestimmt, der geeignet ist, Menschen zu gewinnen, und der sich mit aller Sorgfalt ihrer annimmt.« (Benediktsregel, 58. Kapitel, 5f)

Der Novize oder Neuling wird einem erfahrenen Meister anvertraut. Dieses Anliegen ist hoch aktuell. Menschen, die auf der Suche nach ihrem eigenen geistlichen Weg sind bzw. auf die Entfaltung und Pflege ihres Innenlebens Wert legen, verlangen nach entsprechender Führung oder Begleitung. Groß ist bei vielen der Wunsch oder das Bedürfnis nach einer Begleitung, noch größer aber vielleicht die Not, einen echt „geistlichen“ Begleiter zu finden. Spirituelle Begleitung setzt ein Klima von Freiheit und Vertrauen voraus, das es ermöglicht, dass jemand sich mitteilen und eröffnen kann. Im Zentrum der Begleitung geht es um etwas äußerst Kostbares: Ein Mensch, der bewusst seinen Weg zu Gott gehen will, lässt einen anderen einen Blick in das Innere seines Glaubens tun.

Ein guter Begleiter wird viel Mühe auf aktives Zuhören verwenden. Durch seine gezielte Aufmerksamkeit kommt der Suchende selber seiner Sendung auf die Spur, wird sich selber durchsichtig und lernt sich selber besser verstehen. Der Begleiter selbst wird mit Ratschlägen eher zurückhaltend sein. Durch geschickte Hinweise kann er seinen Gesprächspartner befähigen, selber herauszufinden, was der Wille Gottes für ihn ist. Durch seine behutsame und geduldige Nähe greift der Begleiter gleichsam ordnend in das Leben seines Gegenüber ein. In seinem insgesamt mehr passiven Verhalten verkörpert er in gewissem Sinn den schweigend gegenwärtigen und wartenden Gott. Begleitung zielt darauf, dass der Suchende diesem seinem Gott begegnet. Dafür ist der Begleiter eine Art Durchgangsstation, dafür leistet er unauffällig und einfühlsam Helfer- und Handlangerdienste. Behilflich ist ihm dabei die Gabe der Unterscheidung der Geister, erworben durch eigene und fremde Erfahrung.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts