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eos Klosterverlag St. Ottilien

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Geistlicher Impuls zum 18.05.2013

„In der Praxis lässt sich nicht jeder Streit vermeiden, da Spannungen mit der Fülle des Lebens verbunden sind. Was jedoch unerlässlich sein dürfte, sind bestimmte Spielregeln. Eine erste dieser Regeln könnte lauten: Sachlichkeit.“

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Geistlicher Impuls zum 18.05.2013

»Wer weniger braucht, danke Gott und sei nicht traurig. Wer mehr braucht, werde demütig wegen seiner Schwäche und nicht überheblich wegen der ihm erwiesenen Barmherzigkeit. So werden alle Glieder der Gemeinschaft im Frieden sein.« (Benediktsregel, 34. Kapitel, Verse 3-5) 

Die Ungleichheit der Menschen ist und bleibt ein Menschheitsthema. Weder Gleichmacherei noch Individualismus um jeden Preis stellen diskutable Lösungen dar. Entweder bleibt der Einzelne oder das menschliche Miteinander auf der Strecke. Es gibt keinen Ausgleich zwischen beiden, der alle Beteiligten zufrieden stellen könnte. Doch hat die Verschiedenheit der Menschen nicht nur problematische Seiten, auch wenn diese zuerst und vor allem in die Augen springen. Sie kann genauso gut als eine positive Herausforderung verstanden werden. Wer sich als unabhängig von allen möglichen Wünschen und Bedürfnissen erfährt, der lebt aufs Ganze gesehen anpassungsfähiger, leichter und freier. Der im Grunde seines Herzens Zufriedene und Dankbare kennt keine Eifersucht und keinen Neid. Er nimmt es nicht nur hin, dass der andere mehr hat oder erhält, er kann es diesem sogar von Herzen gönnen und sich darüber freuen.

Die Eigenart der Charaktere, die sich in der Verschiedenheit der Ansprüche und Bedürfnisse spiegelt, kann eine willkommene Bereicherung für eine Gemeinschaft von Menschen bedeuten. Es ist ein Zeichen von Vitalität und Stärke, wenn der Einzelne in seiner Besonderheit respektiert und ernst genommen wird. Das Verhalten der anderen macht ihm auf eine unaufdringliche Weise bewusst, dass seine Bedürftigkeit und Schwäche keinen Freibrief für alle möglichen Ausnahmen und Privilegien darstellen. Es besteht sehr wohl die Möglichkeit, dass wir durch die vorhandenen Verschiedenheiten aneinander und miteinander wachsen und reifen können. Der Zustand, der damit angezielt und erfahrbar wird, heißt Friede; dieser lässt den Einzelnen sein und hält alle zusammen.

 

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts