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Geistlicher Impuls zum 25.05.2013

„Der Rückblick sorgt für den Zusammenhang. Ohne ihn geht vieles verloren und wird vergessen. Unser Leben braucht Stationen oder Zäsuren, an denen wir zurückschauen.“

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Geistlicher Impuls zum 25.05.2013

»An Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln.« (Benediktusregel, 4. Kapitel, 74)

Es ist ein ausgesprochenes Hoffnungswort, mit dem Benedikt die Aufzählung seiner Weisungen für den geistlichen Lebensweg beschließt. Welche Kühnheit sich dahinter verbirgt, das ersieht man aus den beiden Extremen, die es miteinander verbindet. Auf Seiten des Menschen wird etwas vom Schlimmsten ausgesagt, was man sich denken kann: die Situation der Verzweiflung; auf Seiten Gottes wird das Höchste, was man sich wünschen und erwarten kann, in Anschlag gebracht: seine Barmherzigkeit. Weder mit dem einen noch mit dem anderen darf man spielen. In der Regel muss viel passieren, dass jemand an Gottes Barmherzigkeit verzweifelt. Es gibt Grenzerfahrungen des Daseins, die das Licht des Vertrauens und der Hoffnung argen Belastungsproben aussetzen. Als Beispiel dafür kann die Gestalt des alttestamentlichen Heiden Hiob figurieren. Solche Herausforderungen müssen - wie Gegenbeispiele dokumentieren - keineswegs den Abschied für Gott bedeuten.

Kann man etwas gegen die Gefahr der Verzweiflung unternehmen? Es ist die Erfahrung und Begegnung mit dem barmherzigen Gott. Er schreibt seine Spuren in jedes Leben. Wenn diese Spuren nicht allzu rasch verweht werden sollen, ist es erforderlich, dass wir sie bedenken und immer wieder meditieren, damit sie ihre Botschaft tiefer in den Boden unseres Herzens graben können. Es fehlt nicht an Lektionen der Barmherzigkeit Gottes, die uns existenziell betreffen. Wer sich auf sie einlässt, der betritt einen Raum, der ihn in eine unendliche Weite entführt. Gottes Barmherzigkeit ist alles andere als eine abstrakte oder theoretische Wahrheit, sie greift nach unserem Leben, verwandelt es und senkt in seine Fundamente ein „Wissen", dem das „Niemals" der Verzweiflung zu Eigen ist.

 

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts