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Geistlicher Impuls zum 24.05.2013

„Kann man etwas gegen die Gefahr der Verzweiflung unternehmen? Es ist die Erfahrung und Begegnung mit dem barmherzigen Gott. Er schreibt seine Spuren in jedes Leben.“

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Geistlicher Impuls zum 24.05.2013

»Die Bruderliebe sollen sie ( = die Mönche) einander selbstlos erweisen.« (Benediktsregel, 72. Kapitel, 8)

„Brüderlichkeit" lautete eines der programmatischen Leitworte der Französischen Revolution. Es gründet sich auf die Überzeugung einer umfassenden Zusammengehörigkeit aller Menschen und das Band eines allen gemeinsamen guten Willens, die alle bestehenden Unterschiede zu übersteigen vermögen. Die Wurzeln dieses Ideals reichen bis in die Antike zurück, die Geschichte seiner Verwirklichung kennt auch viele mit Blut und Tränen geschriebenen Seiten. Das gilt bis heute. Der Name „Bruder" bzw. „Schwester" besitzt aber auch eine christliche Wurzel. In den Schriften des Neuen Testamentes wird er zur geläufigen Anrede und zur bevorzugten Bezeichnung der Christen, die sie untereinander verwenden. Geschwisterlichkeit stellt das allen Glaubenden gemeinsame Gut dar. Sie gründet in der Beziehung zu Jesus Christus und über ihn zum gemeinsamen Vater aller im Himmel. In seiner Menschwerdung hat sich Christus bleibend in eine über alle Zwecke erhabene Solidarität mit den Menschen begeben. Er nimmt die zu ihm Gehörenden in die von ihm begründete Schar von Geschwistern, Schwestern und Brüdern auf. Ihr Lebensgesetz und Kennzeichen ist vorbehaltlose Liebe. Es waren die Mönche, die dieses Erbe aufgegriffen und bewahrt haben.

Ist dieser Hinweis nur eine schöne Erinnerung an Vergangenes oder auch ein hilfreicher Impuls für die Gegenwart? Die Suche nach dem Menschen begleitet unterschwellig viele Bemühungen und Sehnsüchte bis heute. Stellvertretend für sie kann die Gestalt des „guten Menschen von Sezuan" (B. Brecht) stehen, der im geschwisterlichen Menschen des Evangeliums seinen wahren Bundesgenossen hätte. Die Tatsache, dass man davon immer nur wenige Exemplare antrifft, muss keineswegs gegen die Richtigkeit des Programms sprechen; sie ist genauso gut ein Appell, der auf Einlösung wartet und zur Bewährung einlädt.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts