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eos Klosterverlag St. Ottilien

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Geistlicher Impuls zum 22.05.2013

„Feindesliebe gilt als ein Erkennungszeichen des Christentums. Wir alle kennen Menschen, mit denen wir in einem unausgeräumten Konflikt oder sogar in einem tiefen Zerwürfnis leben. Ist angesichts dessen Feindesliebe überhaupt möglich? Oder ist sie ein Selbstbetrug, eine Selbstzerstörung?“

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Geistlicher Impuls zum 22.05.2013

»Die Jüngeren lieben.« (Benediktsregel, 4. Kapitel, 71)

Jugend - das ist in unseren Breiten gleichbedeutend mit Leben, Gesundheit, Schönheit, Erfolg, Zukunft, Spaß und Unterhaltung usw. Sie ist der Wunschtraum der Alten, ein Kultobjekt der Medien und die Traumkundschaft von Geschäft und Werbung. Die junge Generation baut ihre eigene Lebenswelt und „Kultur" auf, besteht auf ihre eigenen Erfahrungen und Ansichten, entdeckt ihre Zeit und bahnt sich ihren Weg. Die Wirklichkeit zeigt, dass es nicht nur die Jugend nicht gibt, sondern auch viele unserer Vorstellungen und Urteile über sie Projektionen sind. Wer einen Blick hinter die Kulissen wirft, der wird gewahr, dass sich hinter den Attrappen von Jugend und Jugendlichkeit viel Unsicherheit, Angst, Hilflosigkeit, Sehnsucht und Oberflächlichkeit verbergen. Was ist das wahre Gesicht der jungen Menschen, wo schlägt ihr wirkliches Herz?

Im Zusammenhang von Alter und Jugend sprechen wir gerne von Jung und Alt. Selten geben wir uns dabei darüber Rechenschaft, wie wir das „Und" zwischen beiden verstehen. Als Gegensatz? Als Differenz? Als Trennung? Als Kampfansage? Die naheliegendste Auffassung wäre doch die, die es als ein echtes „Und" der Zusammengehörigkeit und Verwiesenheit begreift. Wo steht geschrieben, dass die Beziehung der Generationen automatisch oder vorwiegend unter dem Gesetz des Gegensatzes stehen und gesehen werden muss? Es wäre viel natürlicher, sie grundsätzlich als eine positive zu fassen. Wie leicht ertappen Ältere sich dabei, jungen Menschen, ihrem Auftreten und Verhalten, Denken und Reden a priori voreingenommen zu begegnen; dabei sind Letztere mehr als uns lieb und bewusst ist die Frucht oder das Ergebnis der Erwachsenen und ihrer Welt.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts