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eos Klosterverlag St. Ottilien

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Geistlicher Impuls zum 20.05.2013

„Nicht nur das Alter, sondern auch ältere Menschen werden in unserer Gesellschaft immer mehr zu einem Problem. Woran liegt das? Am Alter selber? Oder an den Alten? Vielleicht auch an der Gesellschaft selber?“

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Geistlicher Impuls zum 20.05.2013

»Wenn der Abt... sieht, dass seine Mühe keinen Erfolg hat, greife er zu dem, was noch stärker wirkt: er und alle Brüder beten für den kranken Bruder, dass der Herr, der alles vermag, ihm die Heilung schenkt. Wenn er sich aber auch so nicht heilen lässt, dann erst setze der Abt das Messer zum Abschneiden an.« (Benediktsregel, 28. Kapitel, Verse 4-6)

Extremsituationen gehören zum Leben. Das ist nicht eine Entschuldigung, sondern eine schlichte Beobachtung. Der Extremfall, den Benedikt hier ins Auge fasst, ist durch eigenes, nicht durch Fremdverschulden entstanden. Der grundsätzlichen und durchgehenden Positivität der Sorge steht die ebenso fundamentale und permanente negative Reaktion der Ablehnung und Verhärtung gegenüber. Die Sorge weiß sich dem Guten verpflichtet. Es gibt keinen Grund und keine Situation, die sie davon dispensieren könnte. Die positive Aufgeschlossenheit, die ihr Einsatz abverlangt, äußert sich in Umsicht, Anpassungsfähigkeit, Phantasiereichtum und einer bis zum Äußersten gehenden Frustrationstoleranz. Die Resonanz auf diese alles wagende Sorge besteht in einer sich steigernden Uneinsichtigkeit der Gegenseite, die alle Maßnahmen zu ihrer Heilung zur Erfolglosigkeit, zum Fehlschlag und zum Scheitern verurteilt. Hier tut sich von Seiten des Schuldigen her eine Grenze auf, welche die Sorge von außen und von innen her ad absurdum führt. Das Gesetz des Handelns wird in diesem Fall vom Gegenüber bestimmt. Wenn die Sorge schließlich sich zurückzieht und trennt, dann ist das im Grunde nur ein Ratifizieren jenes Tatbestands, der durch das sich verweigernde Verhalten geschaffen wurde.

In der Grenze, an die unsere Sorge gerät, spiegelt sich die Tragödie eines Menschen, der sich nicht heilen, bessern oder umkehren lässt. Hier rühren wir an ein Geheimnis und eine Schranke, die selbst noch so intensives Bemühen einer selbstlosen Sorge zu übersteigen nicht im Stande ist. Nicht jeder Mensch ist stark genug für einen Lebensweg, der mit bestimmten Zielsetzungen und Forderungen verbunden ist. Auch das begreifen zu lernen, ist eine Lektion unseres Lebens.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts