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Geistlicher Impuls zum 19.05.2013

„Wo Menschen sind, gibt es immer auch Unterschiede. Es ist zunächst heilsam, wenn wir uns bewusst machen, dass alle Unterschiede unter uns relativ sind, also keine absolute Aussage darstellen. Wir sind nicht gehalten, ihnen eine höhere Bedeutung zuzulegen, als ihnen von Haus aus zusteht.“

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Geistlicher Impuls zum 19.05.2013

»Wenn seine Eltern ihm (= einem Mönch) etwas geschickt haben, darf er sich nicht anmassen, es anzunehmen, ehe der Abt benachrichtigt wurde. Hat der Abt die Annahme erlaubt, kann er immer noch verfügen, wem es zu geben ist. Dann sei der Bruder, dem es geschickt wurde, nicht traurig, damit dem Teufel kein Raum gegeben werde.« (Benediktsregel, 54. Kapitel, 2-4)

Wer diese Zeilen liest oder hört, fragt unwillkürlich: „Warum denn nicht? Was soll denn daran schlecht sein?“ Auf der Ebene, auf der wir gewöhnlich miteinander verkehren, stimmt diese Reaktion. Gegenseitige Geschenke, ein gegenseitiges Geben und Nehmen sind heute – da wir es uns leisten können – eine Selbstverständlichkeit. Wie aber ergeht es uns dabei innerlich? Kommen die vielen Geschenke bei uns und bei anderen noch an? Bringen sie – von Ausnahmen abgesehen – in unseren tieferen Regionen überhaupt noch etwas in Bewegung? Sind nicht die meisten von ihnen damit, dass sie abgestellt sind, auch schon vergessen? Kommen wir dabei nicht selten sogar in eine gewisse Verlegenheit? Wir fragen dann: Was kann man einem überhaupt noch schenken? Es ist uns zuweilen höchst willkommen, wenn wir Geschenke weder geben noch empfangen brauchen. Immer häufiger liest man auf Einladungen die Bitte, von Geschenken Abstand zu nehmen. Das Geben und Empfangen von Geschenken ist in manchen Kreisen zu einer kommerziellen Angelegenheit, zu einem reinen Warenaustausch herabgesunken.

Unsere Probleme sind sicher nicht die Probleme Benedikts. Sein auf Anhieb für uns schwer nachvollziehbarer Standpunkt könnte uns auf etwas anderes bringen. Nicht nur Mönche, auch wir hätten uns doch noch etwas ganz anderes zu schenken und zu verschenken als materielle Güter und Gaben. Es gibt die Schätze des Geistes und die Reichtümer des Herzens, es gibt Fähigkeiten und Begabungen, die auf einem ganz anderen als dem materiellen Sektor liegen. Benedikt würde uns hier auf die Suche oder Entdeckungsreise schicken.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts