Geistlicher Impuls zum 21.05.2013
»Gottes Weisung täglich durch die Tat erfüllen.« (Benediktsregel, 4. Kapitel, 63)
Wie oft gebrauchen wir Bezeichnungen wie „Praxis“, „praktisch“, „praktikabel“, „Praktiker“ oder „praktizieren“ usw. Im Unterton schwingt nicht selten ein gewisser Gegensatz mit zu dem, was als das Reich der Theorie, der Wissenschaft oder Bildung ausgegeben wird. Das Praktische gilt als das, was gut zu handhaben, zweckmäßig, tatsächlich und geschickt ist. Es sei dahingestellt, ob solche Auffassungen immer ins Volle treffen. Auf alle Fälle gehören Alltag und Praxis zusammen. Der Alltag ist das Arbeits- und Bewährungsfeld der Praxis. Hier wird gewöhnlich gesät und geerntet. Die Praxis des Alltags bringt unsere Anlagen zur Entfaltung, erzieht uns, fordert und fördert uns. Das, was täglich geschieht, von uns erwartet und erfüllt wird, arbeitet an uns, erhält Tiefgang und wird unser Eigentum.
Ist es uns eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Gott selber ein unwahrscheinlich großer „Praktiker“ ist? Jesus lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, was in seinen Augen zählt: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel tut“ (Mt 7,21). Er nennt diejenigen, die das Wort Gottes hören und tun, Mutter, Brüder und Freunde (vgl. Lk 8,21; Joh 15,14). In den Augen Gottes geht und geschieht eigentlich nichts, ohne dass man es tut. Das Tun entscheidet über das Leben, die Wahrheit, die Treue, die Zukunft, das Heil, das Glück oder Unheil eines Menschen. Gottes Worte oder Weisungen sind eminent praktischer Natur, auf das Tun, das Exerzieren oder Probieren hin ausgerichtet. Wer sich dabei überfordert fühlt, der soll sich das „täglich“ der Weisung Benedikts zu Herzen nehmen und sich sagen: „Immer nur heute will ich mich auf das, was Gott will, einlassen und es versuchen.“
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts