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eos Klosterverlag St. Ottilien

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Geistlicher Impuls zum 23.05.2013

„Konfliktstrategien gibt es nicht erst heute, sie sind im Grunde so alt wie die Menschheit. So reinigt der Abstand die Gefühle und lässt andere Kräfte wie das Nachdenken, den Humor oder die Gesprächsbereitschaft zum Zuge kommen. “

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Geistlicher Impuls zum 23.05.2013

»Den Weisungen des Abtes in allem gehorchen, auch wenn er selbst, was ferne sei, anders handelt; man denke an die Weisungen des Herrn: ‚Was sie sagen, das tut; was sie aber tun, das tut nicht.’« (Benediktsregel, 4. Kapitel, 61)

Die Situation, von der hier die Rede ist, ist keine typisch klösterliche; sie wiederholt sich überall dort, wo Menschen  in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis voneinander leben oder miteinander zu tun haben. Was im Blick auf Abt und Mönche gesagt wird, das gilt genauso für die Beziehung Eltern und Kinder, Lehrer bzw. Erzieher und Schüler, Meister und Lehrling, Chef und Angestellter usw. Dass Reden und Tun bzw. Leben auseinander klaffen, ist eine Allerweltstatsache und -erfahrung, die sich nicht aus dem Weg räumen lassen. Diese Beobachtung bedeutet aber keine Erklärung oder Billigung. Wo die Differenz von Wort und Tat eklatant und skandalös wird, da ist Klärungs- und Handlungsbedarf angezeigt.

Es gibt für Erwachsene eine Beispiel- und Vorbildfunktion gegenüber Jüngeren und anderen, aus der sie nicht entlassen werden können. Wir wissen sehr gut, wie genau Kinder und Jugendliche Erwachsene beobachten und wie haarscharf sie das Auseinanderfallen von Wort und Beispiel konstatieren können. Wie oft ertappen wir uns selber dabei, dass wir das Verhalten anderer, die wir uns vor- oder übergeordnet glauben, im Fall des Abweichens von dem, was sie sagen, als Entschuldigung oder Freibrief für unser eigenes Ausscheren betrachten. Es verlangt einen hohen Grad an sittlicher Reife und Selbständigkeit, dass man in seiner Lebensführung keinen opportunistischen oder parteischen Überlegungen Raum gibt. Das Leben kennt keine doppelte Währung, keine doppelte Wahrheit, keine doppelte Moral. Wir können die Zuständigkeit und die Verantwortung für unser Leben und für das, was wir aus ihm machen, letzten Endes an keine andere Instanz delegieren. Auch das doppelgleisige Betragen anderer dispensiert davon nicht.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts