Geistlicher Impuls zum 19.05.2013
»Darum wollen wir uns der Unterweisung des Herrn niemals entziehen und in seiner Lehre im Kloster ausharren bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an den Leiden Christi Anteil haben, dann dürfen wir auch mit ihm sein Reich erben.« (Benediktusregel, Prolog 50)
Gibt es so etwas wie Lern-, Erfahrungs- oder Wohnorte des Glücks? Benedikt antwortet darauf mit dem Hinweis auf das Kloster. Das Kloster meint einen bestimmten Ort, aber auch eine Gruppe von gleichgesinnten Menschen und deren Lebensweise. Verglichen mit diesen Gegebenheiten hat jeder Mensch „sein Kloster“. Der Weg zu unserem Glück hat mit dem „Ausharren“ in unserem „Kloster“ etwas zu tun. Der Mensch muss einen Ort, ein Zuhause haben. Ein fester Wohnsitz bedeutet mehr als nur ein Dach über dem Kopf, eine sichere Schlaf- und Versorgungsstelle. Die Wohnung ist für uns der Ort, wo wir unser eigenes Leben leben und wir selber sein dürfen. Dazu kommt, dass wir nie allein wohnen, sondern selbst im Wohnen auf andere angewiesen sind. Neben Menschen sind es vor allem auch Gegenstände, Einrichtung, Umgebung und Atmosphäre, die unser Wohnglück bestimmen. Dort, wo wir wohnen, wohnen wir vor Ort des Glücks. „Unser Kloster“ - das sind all die anderen, die uns in ihrer Liebe „wohnen“ lassen und denen wir durch unsere Zuneigung Schutz und Wohnung bieten. Wer bei sich selber zu Hause ist, mit sich selber in Einklang lebt und es bei sich selber auszuhalten vermag, der hat seine „Klosterzelle“ gefunden. Überall da, wo wir wohnen, müssen wir das Glück suchen und finden.
Der Glücksucher Benedikt weiß, dass das nicht ohne Schmerz, Leiden und Geduld abgeht. Der Preis, den wir für das Glück der Liebe zu zahlen haben, ist die Treue. Den haben wir dort zu entrichten, wo wir wohnen.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts