Kontakt

eos Klosterverlag St. Ottilien

Sie sind hier: Startseite » Geistlicher Impuls » 09.08.

Newsletter Abonnieren

Geistlicher Impuls zum 23.05.2013

„Konfliktstrategien gibt es nicht erst heute, sie sind im Grunde so alt wie die Menschheit. So reinigt der Abstand die Gefühle und lässt andere Kräfte wie das Nachdenken, den Humor oder die Gesprächsbereitschaft zum Zuge kommen. “

mehr...

Geistlicher Impuls zum 23.05.2013

»Die Brüder dürfen übrigens nicht der Reihe nach vorlesen oder vorsingen, sondern nur, wenn sie die Zuhörer erbauen.« (Benediktsregel, 38. Kapitel, Vers 12)

Unsere Tätigkeiten können nicht nur verschieden, sondern auch verschiedenwertig sein. Das hängt mit ihrer Eigenart und ihrem Inhalt, aber auch mit ihrer gesellschaftlichen Einstufung, ihren Voraussetzungen, Subjekten und Ergebnissen zusammen. Hier können sich je nach dem kulturellen Umfeld, den jeweiligen Trends, Bedürfnissen und Erwartungen recht unterschiedliche Skalen entwickeln. Die Beliebtheitskurve bestimmter Berufe kann darüber einen informativen Aufschluss geben. Zu Zeiten Benedikts war die Fähigkeit, lesen zu können, ein Zeichen von höherer Bildung und damit eines gehobeneren gesellschaftlichen Standes.

Jede Epoche besitzt ihre analogen Differenzen. In der Regel werden sie mit einem Urteil über den Wert eines Menschen, die ihm gebührende Achtung und Stellung in Verbindung gebracht. Von einzelnen Fällen abgesehen ist es nicht leicht, von diesen Maßstäben zu abstrahieren. Es besteht eine unterschwellige, zuweilen auch offenkundige Tendenz, gewisse Dienste, Aufgaben, Funktionen oder Leistungen unnötigerweise zu „personalisieren". Was lässt sich dagegen unternehmen? Wer sich an der Sicht Benedikts orientiert, der erzieht sich dazu, bei bestimmten Aufträgen und Tätigkeiten zuerst auf den Zweck, die Intention oder das Ziel zu schauen, erst dann die Person selber unter dem Aspekt ihrer Qualifikation in den Blick zu nehmen. Der Wert eines Menschen steht oder fällt nicht mit mehr oder weniger privilegierten Aktivitäten; er hat seinen Sitz anderswo, d.h. in seinem Herzen, seinem Charakter, seinem Ethos und sozialen Verhalten usw. Sowohl die urteilende wie die beurteilte Seite sind in diesem Fall gehalten, um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen scheiden und unterscheiden zu lernen.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts