Geistlicher Impuls zum 19.05.2013
»Für solches Tun (= verdrossenes Gehorchen) empfängt der Mönch keinen Lohn, sondern verfällt der Strafe der Murrer, wenn er nicht Buße tut und sich bessert.« (Benediktsregel, 5. Kapitel, 19)
Es ist ein klares und ernstes Wort, das die Regel hier spricht. Sie scheut sich nicht, auch unangenehme Dinge ungeschminkt anzusprechen. Gehorsam, wie er von Benedikt verstanden wird, bildet wie selten etwas einen Gradmesser für das, was in unserem Leben geschieht und was dieses im Grunde wert ist. Das Kernproblem des Ungehorsams oder des lustlosen Gehorsams stellt die Verweigerung dar. Diese erschöpft sich nicht in der Unterlassung oder halbherzigen Ausführung eines Auftrags, sie besagt vielmehr, dass jemand sich selber vorenthält. Wir besitzen ein untrügliches Gespür dafür, ob etwas wirklich die Unterschrift eines Menschen trägt oder nicht. Die Verweigerung trifft den Betreffenden selber viel mehr als jenen, dem er seine Dienste verweigert. Sie deckt auf, dass jemand sich selber nicht annimmt.
Die Seele der Verweigerung heißt Verneinung, Negation. Aus dem Nein lässt sich nicht leben. Das ist der Grund, warum man der Verweigerung nur schwer oder gar nicht beizukommen vermag. Worin soll ihr Sinn liegen? Was will sie bezwecken? Ist sie eine Form der Rache, eine Art Selbstbestrafung, eine Weise der Selbstdarstellung, ein Signal der Zerstörung, ein Ausdruck der Beschwerde oder der Anklage? Hier tut sich ein Abgrund auf, mit dem man nicht spielen oder drohen sollte. Verweigerung als Selbstbestrafungsaktion des Lebens gegen das Leben richtet sich selber. Was kann man dagegen unternehmen? Benedikt weiß keinen anderen Weg als den der Umkehr, des Umdenkens. Dieser Appell ist wortwörtlich gemeint. Nur positives Denken ist in der Lage, die Kursrichtung des Lebens zu ändern. Wir ahnen, welcher Segen in echtem Gehorsam steckt. Segen aber hat es immer mit dem Leben zu tun.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts