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eos Klosterverlag St. Ottilien

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Geistlicher Impuls zum 02.09.2010

„Keiner darf sich herausnehmen, vor oder nach der festgesetzten Zeit eigenmächtig etwas zu essen oder zu trinken. (Benediktsregel, 43. Kapitel, Vers 18)“

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Geistlicher Impuls zum 02.09.2010

»Bei dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres festzulegen. Sollte es jedoch aus wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler zu bessern und die Liebe zu bewahren, dann lass dich nicht sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom Weg des Heils; er kann am Anfang nicht anders sein als eng.« (Benediktusregel, Prolog 46-48)

Lernformen und Lerninhalte mögen im Laufe unseres Lebens wechseln, das Lernen selber aber bleibt. Es bezeichnet unsere Lebensform, d.h. unser Hineinwachsen in jenen Sinnentwurf, den Gott von jedem Menschen gemacht hat. Dieser Vorgang vollzieht sich weder in billiger Anpassung an den jeweils herrschenden Lebensstil noch in frei schwebender Unverbindlichkeit um jeden Preis. Benedikt lenkt unser Augenmerk auf den Anfang. Anfänge haben ihren eigenen Reiz und ihre eigenen Gesetze. Sie laden ein, verlocken und fordern zugleich heraus. Alles in unserem Leben hatte und hat seinen Anfang. Es gibt darin immer wieder einen neuen Anfang. Was ist aus unseren Anfängen geworden?

Die Bibel notiert und erzählt mit besonderer Sorgfalt die Anfänge und Anfangsgeschichten. Über jedem Anfang liegt die Verheißung des Neuen, in ihm wiederholt sich das Wunder der Schöpfung. Der Anfang ist eigentlich nicht etwas von uns Gemachtes, sondern eher etwas Erfahrenes und Geschenktes. In unseren Anfängen steckt immer mehr als wir ahnen, glauben, wissen und davon verwirklichen. Das Ja, der Anruf und das Ereignis des Anfangs setzen Kräfte und Möglichkeiten frei, die das Folgende übersteigen. In jedem Anfang steckt und ergeht ein Anruf zum Werden, zum Sein, zum Aufbrechen und Handeln. Das Mosaik unseres Lebens setzt sich aus den großen, noch mehr aber aus den vielen kleinen und täglichen Anfängen zusammen. Es ist wichtig, dass wir unsere Anfänge nicht vergessen, denn bei ihnen ist der Faden unseres Lebens festgemacht. Leben heißt immer auch: im Licht unserer Anfänge leben.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts