Geistlicher Impuls zum 23.05.2013
»Es drängt die Mönche die Liebe, zum ewigen Leben voranzuschreiten.« (Benediktsregel, 5. Kapitel, 10)
Die Mönche besitzen ein klares Lebensprogramm. Dieses heißt nach Benedikt: Gehorsam. Darunter wird die gesamte Lebensbewegung, das gesamte Lebenskonzept des Mönchs verstanden. Für uns ist das eine weithin fremde Welt. Benedikt ist Realist genug, um zu wissen, dass die Verwirklichung eines solchen Programms eine starke Motivation verlangt. Diese erkennt er in einer Liebe, die zielgerichtet das ewige Leben ansteuert. Uns kommt das arg jenseitig, idealistisch und abgehoben vor. Stimmt dieser Eindruck?
Unser Leben bleibt bekanntlich nicht stehen, ja es will selber nicht stehen bleiben. Wo wir selber es nicht in Bewegung bringen und bewegen, dort wird es von außen und anderen bewegt. Bewegung aber ist in der Regel nach vorne gerichtet. Je eindeutiger und stärker dieses „vorne" ist, desto entschiedener und lebendiger wird auch die Kraft ausfallen, die unser Leben bewegt. Gewöhnlich sind die Motive, die unser Leben nach vorne bewegen, relativ kurzarmig, zeitlich und inhaltlich begrenzt. Wir hanteln uns sozusagen von einem Pfosten zum anderen, wobei die Abstände verhältnismäßig gering sind. Mit anderen Worten heißt das: Der Kraftaufwand, der Einsatz und die Anstrengung, die uns unsere Lebensbewegung abverlangt, sind alles andere als außerordentlich, sie fallen nicht aus der Rolle und fordern uns nicht sonderlich heraus. Wir wagen es nicht, im Sinne Benedikts das ewige Leben anzuvisieren. Dabei müsste die Liebe dazu das Leben hier und heute keineswegs abwerten, sie könnte es genauso gut aufwerten und vertiefen. Nicht nur der Gehorsam, wie ihn Benedikt fordert, unser Leben insgesamt hungert nach einem lohnenswerten Programm und tragfähigen Motiven, denen nicht zu rasch die Luft ausgeht.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts