Geistlicher Impuls zum 19.05.2013
»Leere oder zum Gelächter reizende Worte meiden.« (Benediktsregel, 4. Kapitel, 54)
Benedikt spricht eine deutliche Sprache. Wir sind uns mit ihm vielleicht einig über das Prinzip, aber anderer Meinung, wenn es um die Praxis geht. Auf alle Fälle ist er ein genauer Beobachter, der auch den kleinen und unscheinbaren Dingen des alltäglichen Lebens seine Aufmerksamkeit zuwendet und ihnen damit einen nicht unbedeutenden Stellenwert bescheinigt. Fragen etwa, wie man sich beim Reden bzw. beim Lachen verhalten und benehmen soll, findet man höchstens im „Knigge“. Wie sehr das Gelingen und Wohlbefinden unseres Lebens von solchen Kleinigkeiten abhängt, das kann einem bereits der alttestamentliche Kohelet bescheinigen, wenn er schreibt: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:... eine Zeit zum Weinen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;... eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden“ (3,1.4.7.8).
Wie vieles von dem, was wir reden, ist einfach hohles, leeres Gerede! Das geht einem auf, sobald man sich fragt, ob dieses oder jenes wirklich notwendig, wichtig und gut gewesen ist. Alles Gerede ist nicht nur Gerede. In ihm spricht sich immer auch ein bestimmter Lebensstil, eine bestimmte Lebensauffassung aus. Im Gerede verrät der Redner sich selbst. Es spiegelt unsere Durchschnittlichkeit, unsere Banalität, unsere Alltäglichkeit wider. Seine nahezu stereotype Formel lautet: Man sagt ja nur bzw. man sagt halt so... Das Gerede kreist um sich selber und zeugt sich fort, indem es zum Nachreden oder Weiterreden verleitet; es genügt sich selber. Aufgrund seiner Leere verbleibt es in einem merkwürdigen Schwebezustand, es hat keinen Boden unter den Füßen und leidet an einer tiefen Sinnlosigkeit.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts