Kontakt

eos Klosterverlag St. Ottilien

Sie sind hier: Startseite » Geistlicher Impuls » 02.05.

Newsletter Abonnieren

Geistlicher Impuls zum 24.05.2013

„Kann man etwas gegen die Gefahr der Verzweiflung unternehmen? Es ist die Erfahrung und Begegnung mit dem barmherzigen Gott. Er schreibt seine Spuren in jedes Leben.“

mehr...

Geistlicher Impuls zum 24.05.2013

»Das viele Reden nicht lieben.« (Benediktsregel, 4. Kapitel, 52)

In der Regel finden wir nichts dahinter, dass wir reden. Im Laufe eines langen Tages reden wir oft und viel. Gewöhnlich fällt uns das gar nicht auf. Wir stutzen höchstens, wenn der Redefluss plötzlich einmal ausfällt, stockt  oder unterbrochen wird. Mit dieser Gedankenlosigkeit hängt es wohl auch zusammen, dass wir uns über das Resultat, die Folgen und Wirkungen unseres Redens kaum Rechenschaft geben. Die Quantität der Worte ist nicht unbedingt ein Maßstab für ihre Qualität. Das viele Reden beinhaltet bereits von seinem Ursprung her allerlei Gefahren. Es entartet sehr leicht zum Zerreden und zur Sprachberieselung, zu Manipulation und Indoktrination. Es ist kein Wunder, wenn die Worte sich verbrauchen und verkümmern. Wir können die Erfahrung des Psalmenbeters sehr gut nachempfinden, der Gott klagt: „Wir verbringen unsere Jahre wie ein Geschwätz“ (Ps 90,9). Schwätzer reden nur oberflächlich miteinander, tauschen nur Banalitäten untereinander aus und ergehen sich in Sentimentalitäten. Das Reden wird zum bloßen Gerede; es ergeht sich darin, einfach zu reden, ohne Inhalt, ohne Warum und ohne Ziel.

Der Vielredner klammert im Widerspruch zu seiner Bezeichnung vieles aus: die Realität des Lebens, den Wert des Personseins, die Möglichkeit des ernsten Austauschs und der Begegnung. Das viele Reden färbt ab, hinterlässt Spuren in unserem Charakter, in unserem Auftreten und Verhalten. Wir sind davon angesteckt, wenn wir z.B. gerne über andere reden, andere an die Wand reden, anderen gewohnheitsmäßig ins Wort fallen oder das Wort nehmen, uns in vorlautem Auftreten gefallen, das Hören und Zuhören verlernen usw. Vieles Reden macht einen Menschen nicht liebenswürdiger und liebenswerter. Wer wenig redet, dessen Wort gewinnt in vieler Hinsicht. Auf welcher Seite reden bzw. stehen wir?

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts