Geistlicher Impuls zum 30.07.2010
»Nach dem Gottesdienst gehen alle in größter Stille hinaus und bezeugen Ehrfurcht vor Gott. So wird ein Bruder, der noch für sich allein beten möchte, nicht durch die Rücksichtslosigkeit eines anderen daran gehindert.« (Benediktsregel, 52. Kapitel, 2f)
Wir klagen viel über Lärm, Stress, Hektik, Geräuschkulissen oder Betriebsamkeit und stellen uns oft hilflos, wenn es darum geht, ihnen zu entrinnen. In den Kirchen und Gotteshäusern stehen gleichsam natürliche und gewachsene Zufluchtsstätten an unserem Lebensweg. Das, was uns dort erwartet und empfängt, hat man zutreffend „heiliger Raum“ genannt. Auch wer sich darunter nichts Konkretes vorzustellen vermag, wird zumindest den Unterschied eines Gotteshauses von anderen Häusern schon von der äußeren Erscheinung und Einrichtung her konstatieren können. Es ist zunächst einfach hilfreich, sich dieser Andersheit auszusetzen, sich von ihr anrühren und betreffen zu lassen. Dazu muss man persönlich nicht viel beitragen. Es gehört zu einem Raum, dass er bewusst-unbewusst auf uns wirkt. Zu den selbstverständlichen Geschenken eines Gotteshauses gehört seine Ruhe, seine Stille. Diese scheinen in ihm geradezu daheim zu sein.
Wer darin einkehrt, kann erfahren, wie die Ruhe des Raumes auf ihn selber übergeht, nicht gewaltsam oder aufdringlich, sondern leise und unauffällig. Nichts lenkt ab oder zerstreut, alles wirkt gesammelt und erfüllt. Nicht weniger eindringlich kann man die Stille erleben. Unerkannt und selbstlos greift sie nach einem und umhüllt ihn; sie nimmt ihm alles Laute und Vorlaute ab und versetzt sein Ohr in den allmählich sich ausbreitenden Zustand des Hörens nach innen. Gotteshäuser sind Stätten des Friedens und des Segens. Sie stehen am Weg und warten, sie sind stets bereit, von ihren Gaben mitzuteilen. Die einzige Gegenleistung, die sie von uns fordern, besteht in der Zeit, die sie uns abverlangen, um ihre Kostbarkeiten entgegennehmen zu können. Sie haben etwas, was alle anderen Häuser nicht besitzen, obwohl es lebenswichtig ist.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts