Geistlicher Impuls zum 09.09.2010
»Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters!« (Benediktusregel, Prolog 1)
Mit dem Wort „Höre!“ klopft Benedikt bei uns an. Es sind viele Stimmen, die täglich bei uns anklopfen und um Gehör bitten. Bei der Frage, wem wir Gehör schenken, sind wir in der Regel wesentlich zurückhaltender als im Fall dessen, auf den wir einen Blick werfen. Wem wir unser Ohr leihen, der oder das kostet uns mehr Zeit und dringt gewöhnlich tiefer in uns ein als das, worauf unser Auge flüchtig zu blicken vermag. Allem, was Zeit und Aufmerksamkeit verlangt, begegnen wir mit Vorsicht und Zurückhaltung; es ist kein Wunder, dass vieles, was an unser Ohr gelangt, einfach als Geräusch oder Lärm abprallt. Wir Menschen sind in unserem Verhalten als Hörer oder Zuhörer höchst wählerisch. Das wissen wohl am besten die Experten der Medienwelt, die in konstanter Regelmäßigkeit um unser Interesse bitten oder sich für unser Zuhören bedanken.
Es fällt uns wahrlich nicht leicht, jemandem Gehör zu schenken. Noch mehr als äußere Umstände können uns Gewohnheiten, Vorurteile und innere Barrieren davon abhalten, einem unser Ohr zu öffnen. Wir sind von Haus aus alles andere als hör- und empfangsbereite Menschen. Es bedarf nicht nur bestimmter Anstrengungen, sondern einer grundsätzlichen Wende und Entscheidung, die uns in den Zustand von Hörern versetzen. Das Hören stiftet Gemeinschaft, ermöglicht Austausch und Begegnung. Ein Großteil unserer Möglichkeiten liegt in seiner Hand. Diese kommen dort zum Vorschein, wo die Liebe zum Regulativ unseres Hörens geworden ist. Benedikts „Höre!“ lädt uns ein, uns mit hörender Aufmerksamkeit auf das Leben einzulassen.
Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts