Geistlicher Impuls zum 11.12.2017

Das Verhalten, das hier geschildert wird, ist uns unter der Bezeichnung „Parteinahme\\\" bekannt. Wir stoßen uns an der apodiktischen und jede Ausnahme ausschließenden Art, wie dieses Problem behandelt wird. Im Blickfeld aber steht nicht die Frage von Recht und Unrecht, sondern die einer Intervention von außen, zu der sich ihr Vertreter selber ernannt und legitimiert hat. Sympathie und Antipathie können uns dazu verleiten, unsere Beziehungen recht oberflächlich zu sehen. Wir alle kennen Menschen, die sich ohne Grund und Auftrag auf indiskrete Weise in das Leben und die Angelegenheiten anderer einmischen. Es fehlt nicht an Erfahrungen, die verdeutlichen, was passiert, wenn bestimmte „Fälle\" in gewisse und andere „Hände\" gelangen und damit über den eingegrenzten Bereich der unmittelbar Betroffenen hinausgetragen werden. Damit werden Lösungs- und Heilungswege schwieriger und unmöglicher. Es ist nicht immer einfach, zwischen Wichtigtuerei und ehrlicher Hilfsbereitschaft zu unterscheiden. Die Parteinahme für andere kann leicht zur Parteinahme für sich selber und die eigenen Interessen werden. Private Beziehungen, die in ungerechtfertigter Weise in den Vordergrund gerückt werden, machen blind für das Miteinander und können den Frieden und die Harmonie innerhalb einer Gemeinschaft erheblich stören. Es kostet ein hohes Maß an Selbsterkenntnis, dass Menschen, die Hilfe benötigen, weder durch sich selber noch durch andere in eine gefährliche Abhängigkeit von ihren Helfern geraten.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien