Geistlicher Impuls zum 19.02.2018

Keine zwei Menschen sind gleich. Wir sind verschieden und unterscheiden uns. In der Regel legen wir darauf großen Wert und bestehen darauf, dass wir anders sind und anders behandelt werden. Unsere Verschiedenheit macht in einer Hinsicht unseren Vorteil und unser eigenes Profil aus, in anderer Hinsicht bildet sie den Ausgangspunkt für Unfrieden, Streit, Eifersucht und Hass. Um trotz aller Unterschiede ein vernünftiges Miteinander zu erzielen und zu gewährleisten, bedarf es bestimmter Absprachen und Regelungen, die in sich einen Kompromiss darstellen und auf der gegenseitigen Toleranz fußen. Es ist einmal klar, dass dadurch die bestehenden Unterschiede nicht zum Verschwinden gebracht werden und dass zum anderen die gegenseitigen Berührungs- und Austauschmöglichkeiten auf ein bestimmtes Minimum als gemeinsamen Nenner reduziert werden. Diese Verfahrensweise reicht über eine Ausklammerung der Unterschiede kaum hinaus. Die von uns entwickelten Modelle zielen darauf ab, Konflikte nach Möglichkeit zu vermeiden. Benedikts Modell, mit Unterschieden umzugehen und zu leben, geht von einem positiven Ansatz aus und lautet auf Einheit in Liebe. Liebe steht über den Unterschieden, hebt ihre trennende Wirkung auf und vermag die vorhandenen Differenzen zu ergänzen, auszugleichen und zu überwinden. Eine solche Liebe nimmt Maß an Gott, der „seine Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten, und der regnen lässt über Gerechte und Ungerechte“ (Mt 5, 45); sie ist alles andere als eine Gleichmacherei, die der Tod der Liebe und der Persönlichkeit wäre. Echte Liebe liebt jeden auf seine unverwechselbare und ihm angemessene Weise.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien