Geistlicher Impuls zum 21.07.2017

Sich verlassen können?! - Wenn es um konkrete Beispiele für Zuverlässigkeit geht, denkt man noch am ehesten an das Reich der Reklame. Für was alles wird nicht geworben mit dem Anspruch und der Verheißung, dass man darauf bauen und sich verlassen könne! Menschen und Institutionen verstehen es geschickt, sich unser Bedürfnis nach Sicherheit zu Nutze zu machen. Nimmt man unser Sicherheitsverhalten genauer unter die Lupe, dann stellt man fest, dass wir an die Adresse anderer sehr hohe Erwartungen und Anforderungen richten. Wir sind rasch bereit, Verantwortung und Sorge für unsere Sicherheit an andere abzutreten und dafür zu zahlen. Wir geraten dabei aber auch an Grenzen. Im Grunde kann es Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Verlässlichkeit nicht in Raten oder Portionen geben. Was es um die Haltung, die Eigenschaft oder Tugend der Verlässlichkeit ist, lässt sich am eindrucksvollsten am Modell unserer Beziehungen und Lebensentscheidungen beobachten. Unser menschliches Miteinander lebt und besteht nicht nur aus Strukturen, sondern daraus, dass wir verlässliche Menschen und Partner sind. Wird nicht gerade die Frage, ob ich selber ein verlässlicher Mensch bin, bei all unserem Jagen nach Sicherheit ausgeklammert? Ehe, Familie oder geistliche Lebensformen haben unsere Verlässlichkeit zur Voraussetzung und zum Inhalt. Das gilt analog auch von einer Reihe anderer Berufe und Dienste, die es entscheidend mit Menschen zu tun haben. Ein verlässlicher Mensch ist unserer Sprache nach einer, der sich, d.h. sein eigensüchtiges und eigensinniges Ich, auf andere und anderes hin auch verlassen oder loslassen kann. Die Frage nach der Verlässlichkeit ist eine sehr radikale, sie legt den Finger an die Wurzel unseres Seins und unserer Existenz.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien