Geistlicher Impuls zum 27.05.2018

Benedikt beantwortet die Frage nach dem Lebenslohn mit dem Hinweis auf 1 Korinther 2,9. Die Frage: „Was lohnt sich wirklich?\" berührt nicht bloß die Oberfläche unseres Lebens, unseres Tun und Lassens. Im Grunde stellt sie eine sehr ernste und radikale Angelegenheit dar. Sie bringt unser Dasein auf einen einzigen Nenner, sie zwingt zum Nachdenken und zur Entscheidung. Wenn man sich ihr stellt, dann verschwinden sehr vordergründige Perspektiven. Das letztlich Lohnende eines ganzen Lebens kann dann nicht in Beschäftigung, Erfolg, Selbstverwirklichung, gesichertem Auskommen und Alter usw. bestehen. Das kann nicht alles und das Ganze sein. Im Leben steckt und geht es um mehr. Wohin mit unserer Treue, unserem Vertrauen, unserer Verantwortung, unserer Gewissenhaftigkeit usw.? Wer diesen Fragen auf den Grund geht, der wird letzten Endes bei der Antwort landen, dass Liebe und lieben dasjenige sind, wofür es sich wirklich und ernsthaft lohnt, zu leben mit all dem, was Leben an Großem und Erfüllendem, aber auch an Schwerem, Leiden und Last beinhaltet. Liebe nimmt und beschenkt zugleich, sie macht einen arm und reich in einem. Sie bleibt und geht mit, sie kann einem nicht genommen werden. Liebe trägt ihren Sinn und ihren Lohn in sich selber. Wer selbstlos liebt, der erfährt darin, dass es sich lohnt zu lieben. Diese Erfahrung erschöpft und verbraucht sich nicht, genauso wenig wie Liebe sich erschöpft und verbraucht. In diesem Sinn lässt sich Liebe nicht um ihren Lohn bringen, kann auch im Grunde nicht um ihren Lohn gebracht werden. Denn Liebe liebt „lohnunabhängig\", wenn man Lohn im landläufigen und vordergründigen Sinn versteht. Vielleicht verstehen wir nun ein wenig besser, was die alte Wendung von „Gottes Lohn\" meinte und meint.

Entnommen aus Christian Schütz OSB, Gesegneter Alltag. Lebensweisheit aus der Regel Benedikts

– Sankt Ottilien